Bericht vom Breitenschachpatent-Workshop 17.-19.03.2017

"Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen.
D'rum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen."

Nun, meine Reise ging nicht ganz um die Welt wie die des Urian im Gedicht von Matthias Claudius, aber immerhin führte mich die Fahrt nach Leipzig. Von Dortmund aus eine kleine Weltreise quer durch die Republik, mit dem Intercity aber in fünf Stunden zu schaffen.

a&o-Hostel in LeipzigVor Ort begrüßten mich Malte Ibs (Vorsitzender) und Jörg Schulz (Geschäftsführer) von der Deutschen Schachjugend als Referenten, sowie sieben weitere wissensdurstige Schachfreundinnen und Schachfreunde aus vier Schachvereinen unterschiedlicher Landesverbände. Anlass unserer Zusammenkunft im Spitzboden des Leipziger A&O-Hostels war der von der DSJ (und dem Sächsischen Schachverband) veranstaltete Workshop zum Breitenschachpatent. Und der startete dann auch erstmal mit der Diskussion darüber, was denn eigentlich "Breitenschach" sein soll oder kann. Es wurde deutlich, dass in dieser Frage durchaus unterschiedliche Ansichten existieren, wobei die Referenten auch einräumten, dass der Begriff etwas schwammig sei und von der DSJ durch "Allgemeine Jugendarbeit" ersetzt worden ist. Generell lässt sich aber festhalten, dass Breitenschach weit über die rein schachlichen Aktivitäten eines Vereins (Turniere, Wettkämpfe) hinausgeht und auch gesellschaftliche und gesellige Aspekte umfasst. Nach viel zu kurzem Schlaf wurde das Thema am nächsten Tag vertieft und weiter differenziert mit Fragen nach dem idealen Vereinsabend - dem "lebendigen Kern" des Vereins - und dem weiten Feld der Öffentlichkeitsarbeit, womit nicht nur das Verfassen von Spielberichten gemeint ist. Spät am Abend führte unser einheimischer Scout - Schachfreund Michael Nagel vom Hohenleipischer SV - uns durch Leipzigs Innenstadt zur Traditionsgaststätte "Zill's Tunnel" (sic), deren sächsische Speisekarte zum Glück auch in hochdeutscher Übersetzung vorlag.

Nach viel zu kurzem ... ach, egal. Den abschließenden Sonntag jedenfalls beherrschten Themen der Ehrenamtlichengewinnung (und -pflege!) und als quasi "Abschlussarbeit" die Konzeption eines perfekten Schachturniers im breitenschachlichen Sinne. An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Gruß an Schachfreund Rainer Knöchel vom SC Wittstock loswerden, der jetzt wahrscheinlich noch den letzten Feinschliff für das 5. "'ran an den Turm"-Open in Blumenthal vornimmt - gutes Gelingen dafür!

Gruppenarbeit beim WorkshopNach einer letzten Feedback-Runde endete der Workshop, den ich dank der kompetenten Leitung von Malte und Jörg und den sympathischen TeilnehmerInnen als ungeheuer bereichernd und Mut machend empfand. Denn auch dies wurde klar: Selbst wenn die Zahl der im Deutschen Schachbund gemeldeten Mitglieder stabil bleibt, so sinkt doch die Zahl der Vereine. Als Verein für Schachinteressierte attraktiv zu bleiben muss demnach eine permanente Aufgabe zum Erhalt eines funktionierenden Vereinslebens bleiben! Und da sehe ich uns mit unseren Angeboten wie ZwoDo-Blitzturnierserie, der laufenden Vereinsmeisterschaft, dem Engagement im Café of Hope, den Nachmittagsangeboten von Stefan Wangrin und auch unserem Vereinsfest (jetzt schon vormerken: Samstag, 15. Juli) durchaus gut aufgestellt - was nicht heißt, dass wir unser Potential schon ausgeschöpft hätten!

Derart in Gedanken versunken trat ich die Rückreise an und fand mich, in Dortmund angekommen, in einer glücklicheren Situation als Urian, der bei seiner Heimkehr ja bilanzierte:

"Und fand es überall wie hier,
Fand überall 'n Sparren,
Die Menschen grade so wie wir,
Und eben solche Narren."

 Fotos: Schulz-Runge, Malte Ibs

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